Marketing mit aufgeblasener Brust – wenn Lautstärke Kompetenz ersetzen soll

In manchen Branchen scheint es eine unausgesprochene Regel zu geben:
Wer am lautesten „Nummer 1“ ruft, hofft, dass niemand genauer hinschaut.

So liest man dann Sätze wie:
„Seit über 13 Jahren unangefochten die Nummer 1“,
„Der größte Spy-Shop Deutschlands“
oder gleich die Königsdisziplin:
„Vorsicht vor unseriösen Mitbewerbern!“

Das Muster ist immer dasselbe. Erst die Selbstkrönung, dann die pauschale Abwertung aller anderen. Beweise? Fehlanzeige. Kriterien? Unbekannt. Quelle? Das eigene Ego.

Das Prinzip Aufplustern

Psychologisch ist das erstaunlich simpel:
Man macht sich selbst größer, damit der Nebenmann kleiner wirkt.
Nicht durch Leistung, sondern durch Volumen.
Nicht durch Argumente, sondern durch Wiederholung.

Es ist das Marketing-Äquivalent eines Hahns auf dem Misthaufen: viel Gekrächze, wenig Substanz – aber beeindruckend laut.

Und ja: Das ist ärgerlich. Nicht, weil es wirkt (das tut es langfristig nicht), sondern weil es den Markt vernebelt. Seriöse Anbieter müssen sich plötzlich rechtfertigen, während andere sich mit Superlativen schmücken, die sie sich selbst verliehen haben.

Die Sache mit den „Saubermännern“

Besonders amüsant wird es, wenn sich genau jene Anbieter als moralische Instanz inszenieren. Transparenz, Seriosität, Vertrauen – große Worte, gerne benutzt.

Ein Blick ins Impressum genügt dann oft, um danach festzustellen:
Die dort genannte Firma existiert entweder nur auf dem Papier – oder gar nicht.
Aber Hauptsache, man warnt lautstark vor den „unseriösen anderen“.

Ironischerweise ist genau das der Moment, in dem echte Seriosität leise den Raum verlässt.

Erfahrung lässt sich nicht aufblasen

Zeit ist gnadenlos ehrlich.
Man kann sie nicht herbeireden, nicht simulieren, nicht ersetzen.

Wer ein, zwei Jahrzehnte am Markt ist, hat Respekt verdient – keine Frage.
Wer aber seit über vier Jahrzehnten kontinuierlich in einer anspruchsvollen, rechtlich sensiblen Branche tätig ist, braucht keine Superlative, keine Angstparolen und keine Selbstbeweihräucherung.

Beständigkeit ist kein Marketingtrick.
Sie ist das Ergebnis davon, dass man bleibt, während andere kommen und gehen.

Der Angeber

Angeber sind Menschen, die ihre eigenen Leistungen, Fähigkeiten oder auch Erfahrungen bei jeder Gelegenheit und ungefragt präsentieren, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen.

Fazit: Wer nur angibt, hat selten etwas zu sagen

Kunden sind nicht dumm. Vielleicht kurzfristig beeinflussbar – aber nicht dauerhaft.
Große Worte erzeugen Aufmerksamkeit.
Leistung erzeugt Vertrauen.

Und wer glaubt, sich durch künstliches Aufplustern einen Vorteil zu verschaffen, erreicht meist nur eines:
Er macht sichtbar, wie wenig dahinter steckt.

Die wahre Nummer 1 erkennt man nicht an Slogans –
sondern daran, dass sie auch nach Jahrzehnten noch da ist.

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