WiFi-Abhörgeräte für Audioüberwachung – Realität oder Marketing-Märchen?
In regelmäßigen Abständen tauchen Anbieter auf, die angeblich etwas im Sortiment haben, das sonst niemand anbietet. Aktuell sind es sogenannte WiFi-Abhörgeräte zur Audioüberwachung. Produkte, die – so die Werbung – Tonüberwachung direkt über WLAN ermöglichen sollen.
Auffällig dabei: Kein einziger etablierter Anbieter, weder im In- noch im Ausland, führt vergleichbare Systeme. Und das, obwohl viele Marktteilnehmer seit Jahrzehnten in diesem Segment tätig sind. Das allein sollte bereits stutzig machen.
Gibt es überhaupt geeignete WiFi-Module für Audioüberwachung?
Die nüchterne Antwort lautet: Nein – zumindest nicht in praxistauglicher Form.
Während es für Videoüberwachung eine Vielzahl bewährter WiFi- und IP-Lösungen gibt, existieren für verdeckte, dauerhafte Audioüberwachung keine etablierten WiFi-Module, die zuverlässig, energieeffizient und diskret arbeiten.
Audio-Streaming über WLAN ist technisch anspruchsvoll:
- hoher Energieverbrauch
- instabile Verbindungen
- Latenzen und Aussetzer
- starke Abhängigkeit von Netzwerkqualität
All das steht im direkten Widerspruch zu den Anforderungen verdeckter Überwachungstechnik.
Das grundlegende Problem: Reichweite
WiFi ist kein Weitverkehrsstandard. Die reale Reichweite liegt – abhängig von Umgebung und Bausubstanz – meist bei 10 bis 30 Metern.
Stahlbeton, Wände, Nachbar-WLANs und andere Störquellen reduzieren diese Reichweite drastisch. Eine Audioüberwachung „aus der Ferne“ ist damit faktisch ausgeschlossen.
Ohne direkten Zugang zum gleichen Netzwerk endet die Funktion solcher Geräte praktisch an der nächsten Wand.
WiFi braucht Infrastruktur – und die ist alles andere als unauffällig
Ein weiteres oft verschwiegenes Detail: WLAN funktioniert nicht im luftleeren Raum.
- Es braucht einen Access Point
- Zugangsdaten müssen vorhanden sein
- Das Gerät ist im Netzwerk sichtbar
- Netzwerkscanner finden solche Geräte schnell
Für verdeckte Audioüberwachung ist das denkbar ungeeignet. Genau aus diesem Grund setzen professionelle Lösungen seit Jahrzehnten auf andere Übertragungstechniken.
Warum sonst niemand solche Geräte anbietet
Der vielleicht wichtigste Punkt: Wenn WiFi-Audioüberwachung praktikabel wäre, würde sie längst eingesetzt.
Nicht nur von kommerziellen Anbietern, sondern auch von internationalen Spezialisten, Systemintegratoren und professionellen Anwendern.
Dass ausgerechnet ein einzelner, eher dubios auftretender Anbieter plötzlich eine „Wundertechnik“ besitzt, die weltweit sonst niemand nutzt, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
Fazit: Gesunde Skepsis ist angebracht
WiFi-Abhörgeräte für Audioüberwachung klingen auf dem Papier spektakulär. In der technischen Realität sind sie jedoch unpraktisch, stark eingeschränkt und höchst fragwürdig.
Wer mit solchen „exklusiven“ Produkten wirbt, ersetzt oft technische Substanz durch Marketingversprechen. Kunden sollten sich fragen: Warum gibt es diese Technik sonst nirgendwo?
In einem sensiblen Bereich wie der Überwachungstechnik gilt: Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meist auch nicht.