Oder: Wie man ohne Ahnung, Verantwortung und Verstand glaubt, den Markt überlisten zu können.
Hans und Franz hatten eine Vision. Keine Kompetenz. Keine Erfahrung. Keine Ahnung. Aber eine Vision.
Und wie jede schlechte Vision begann sie mit dem Satz: „Das kann doch nicht so schwer sein.“
Ein Spyshop! Abhörtechnik! Geheimnisvoll! Teuer! Margen ohne Ende! Goldene Nase garantiert! Zumindest im Kopf von Hans und Franz – einem Duo, das Fachwissen konsequent mit Google-Suchen verwechselt und Verantwortung für ein optionales Extra hält.
42 Stunden bis zur Selbstentlarvung
Nach nicht einmal 42 Stunden war das „Business“ geboren.
Ein Shop, zusammengeklickt wie ein Kindergeburtstagsplakat. Texte aus dem Internet zusammengefegt wie Herbstlaub. Produktbeschreibungen, die technische Realität, rechtliche Rahmenbedingungen und gesunden Menschenverstand konsequent ignorierten.
- „Professionelle Überwachungstechnik“ für den Preis eines Döners.
- „Wird von Ermittlern genutzt“ – welche Ermittler, wo, wann, warum? Egal. Klingt gut.
- Mehr Buzzwords als Substanz – und das bei Produkten, bei denen Substanz der ganze Punkt ist.
Hans sagte: „Die Leute sind doch dumm.“
Franz ergänzte: „Und Google merkt das eh nicht.“
Spoiler: Doch. Alle merken es.
Die Kunden. Die Suchmaschinen. Der Markt. Und vor allem: die Realität.
Denn Spytechnik ist kein Spielzeugmarkt. Kein Ramschsegment. Kein Tummelplatz für Glücksritter mit Umsatzfantasien und moralischer Leere. Es ist ein Bereich, der Fachwissen, Beratung, Erfahrung, rechtliche Einordnung und vor allem Verantwortung verlangt.
Und genau hier trennt sich die Spreu vom Abfall.
Vier Jahrzehnte – und immer das gleiche Schauspiel
Wir machen das nicht seit gestern. Nicht seit ein paar Jahren. Seit über vier Jahrzehnten.
Und in dieser Zeit haben wir ganze Bataillone von Hans-und-Franz-Typen kommen sehen: große Klappe, große Erwartungen, große Versprechen.
Und dann? Sang- und klanglos verschwunden.
Keine Abschiedsmail. Kein Statement. Kein „Wir haben uns verschätzt“. Nur eine tote Domain, ein leerer Shop und ein weiteres gescheitertes Experiment im digitalen Massengrab.
Sie kommen mit der Arroganz von Menschen, die glauben, Erfahrung sei überbewertet. Sie gehen leise, wenn sie merken, dass der Markt keinen Respekt vor Selbstüberschätzung hat.
Warum sie alle scheitern
Nicht wegen Google. Nicht wegen „böser Konkurrenz“. Nicht wegen „staatlicher Eingriffe“. Sondern weil Ahnung nicht durch Wunschdenken ersetzt werden kann.
- Verantwortung ist kein lästiges Detail.
- Technik entsteht nicht durch Marketing.
- Kunden merken sehr wohl, ob sie mit Profis oder mit Amateuren sprechen.
- Vertrauen lässt sich nicht faken.
Die eigentliche Tragik
Das Traurige ist nicht, dass Hans und Franz scheitern. Das ist vorhersehbar. Tragisch ist, dass sie jedes Mal glauben, sie wären die Ausnahme.
Vier Jahrzehnte Erfahrung sagen etwas anderes. Der Markt vergisst nichts. Er verzeiht nichts. Und er braucht keine weiteren Dilettanten mit Gierfantasien.
Schlusswort (ohne Mitleid)
Wer glaubt, man könne ohne Fach- und Sachkompetenz, getrieben vom Wunsch nach der schnellen goldenen Nase, einen Spyshop eröffnen, sollte sich eines merken:
Der Markt sortiert gnadenlos aus.
Und er tut es schneller, als man „SEO-Optimierung“ sagen kann.
Hans und Franz? Längst weitergezogen. Zum nächsten Trend. Zum nächsten „sicheren Ding“. Wir bleiben. Wie seit Jahrzehnten.